Frage: Gibt es nicht genug Hunde in der Schweiz, die plaziert werden müssen, ohne dass welche vom Ausland hierher gebracht werden?
Antwort: Nein, eigentlich nicht. Es gibt in den Tierheimen in der Schweiz, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern, nicht genug von der Sorte Hund, die die Leute suchen. Wir bekommen viele Anfragen nach kleinen Hunden wie z.B. Pudelartenwelpen und auch grössere Hunde die lieb mit Kindern sind. Es ist nicht immer einfach einen solchen Hund in einem Tierheim zu finden. Nach Monaten erfolglosen Suchens wenden sich die potenziellen Besitzer schliesslich an einen Züchter. Auf den Strassen von Kos hingegen sterben Hunderte dieser gesuchten Hunde. GASAH sagt dazu: "Wieso züchten oder kaufen, solange heimatlose Hunde und Katzen sterben?"
Frage: Aber wenn ich einen griechischen Streuner adoptiere, werde ich doch sicherlich Probleme mit ihm haben, weil er auf der Strasse gelebt hat und nicht erzogen ist?
Antwort: Unsere Erfahrungen beweisen das Gegenteil. Streuner sind meist gut sozialisiert und angepasst. Touristen füttern sie, daher haben sie oft Kontakt mit Menschen und anderen Strassenhunden. Weil sie frei herumlaufen können, sind sie ausserdem auch nicht neurotisch, da sie genug Auslauf haben. Ausserdem sind sie normalerweise vom ersten Tag an stubenrein, da sie es gewohnt sind, ihr Geschäft auf natürlichem Boden zu verrichten. Manchmal sind sie anfangs etwas scheu, doch sie sind intelligent und lernen rasch. Studien belegen, dass Streuner ein grösseres Gehirn haben als Rassenhunde. Der Grund liegt darin, dass sie mehr mentale Stimulation erhalten und Wege zum Überleben finden müssen. Dazu kommt ihr starkes Immunsystem, da sie nicht überzüchtet sind. Häufig, wenn GASAH sie rettet, sind die Tiere in einem schlechten Zustand: mager, voller Flöhe usw. Doch wir kümmern uns um sie, damit sie sich rasch erholen und bei guter Gesundheit sind, wenn sie plaziert werden.
Frage: Wenn das Leben auf der Strasse den Hunden so gut tut, wieso lässt man sie nicht dort, wo sie sind?
Antwort: Das Leben ist nur in der kurzen Frist ok. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines griechischen Hundes liegt bei etwa drei Jahren: Die meisten Hunde sterben bevor sie das erste Lebensjahr vollendet haben.
Frage: Wie kommt das?
Antwort: Weil sie von Autos überfahren werden, im Winter verhungern oder vergiftet werden. Wir haben ein kleines Stück Griechenland zu Hause, wir haben vier Hunde: Gucci, welche mit 7 Monaten überfahren wurde und der wir deshalb ein Bein amputieren mussten, Tria, die sich ebenfalls auf drei Beinen fortbewegt, da eine Vorderpfote in einer illegalen Falle gefangen wurde, Farouk, der auf den Strassen von Kos-Stadt gefunden wurde. Er sah damals aus wie ein lebendes Skelett. Alfie, vom Tierheim in Chur, ist der einzige, der sein ganzes Leben lang "intakt" geblieben ist.
Frage: Was ist mit Krankheiten, die auf unsere Hunde übertragen werden können?
Antwort: Wir testen das Blut von jedem Hund, den wir von Kos holen, obwohl dies nicht gesetzlich verlangt wird. Es ist ein teurer Prozess, aber bedeutet eine Verringerung des Krankheitsrisikos auf praktisch null. Wenn ein Hund nicht frei von Leishmaniose ist, würden wir ihn dort lassen und behandeln. Seit ich jedoch im Tierschutz arbeite, wurde von den vielen plazierten, getesteten Tieren kein einziges positiv getestet. Auf Kos ist Leishmaniose nicht sehr verbreitet, doch weiss ich aus Erfahrung, dass es in anderen Teilen Griechenlands ein Problem ist. Dennoch wurde dramatisiert und falsche Informationen über Leishmaniose und Ehrlichia canis verbreitet. Kein Hund verlässt Kos mit GASAH, ohne dass er geimpft, entwurmt und von Zecken befreit ist, wie dies vom EU-Recht verlangt wird. Ausserdem muss jeder Hund unsere strengen Verhaltenstests bestehen, bevor er Kos verlässt und wird in den meisten Fällen auch sterilisiert.
Frage: Sollte GASAH das Problem nicht an der Wurzel lösen, indem die Hunde sterilisiert werden, und nicht plaziert?
Antwort: Natürlich! Wir führen das ganze Jahr über Sterilisationen durch, sowie zusätzlich jedes Jahr einmal ein intensives Sterilisationsprogramm. Doch wir brauchen mehr finanzielle Mittel. Dann könnten wir tausende Hunde sterilisieren, nicht bloss etwa 20 jeden Herbst und etwa 2 oder 3 pro Monat. Es gibt so viele unsterilisierte Hunde. GASAH könnte problemlos über 50 pro Monat sterilisieren und diese Hunde auch finden. Ich glaube stark daran mit den einheimischen griechischen Leuten zusammenzuarbeiten, und dies werden wir mit unserem Stammtierarzt tun, um den Bürgermeister von Kos zur Finanzierung zu einem Teil unseres Sterilisationsprogramms zu überreden. Bisher haben wir diese Arbeit privat und mit GASAH-Spenden finanziert.
Frage: Wie sieht es mit Unterricht aus?
Antwort: Im Oktober 2006 reisten mein Mann und ich als GASAH-Vertreter nach Kos, um das Herbst-Sterilisationsprogramm zu leiten. Während unseres Aufenthaltes hielten wir einen Informationsabend für einheimische Tierärzte, Griechen, Touristen und Einwanderer. Unser Ziel war zu informieren, unterrichten und Mitglieder anzuwerben. Im Ergebnis erhielten wir grosse Unterstützung. Wir trafen einige sehr interessante Leute und starten nun ein Pilotprojekt in einer Schule in Kos-Stadt zum Tierschutz-Unterricht. Sollte sich dies als erfolgreich erweisen, werden wir uns mit dem Bildungsbeamten von Kos zusammenschliessen und unser Projekt anderen Lehrkräften in Schulen auf Kos zeigen. Wir müssen von unten nach oben unterrichten, beginnend mit den Kindern.
Im Frühling 2006 wurde Bernie als Welpe von Kindern in Kardamena, im Norden von Kos, angezündet. Solche Vorfälle müssen verhindert werden. Bernie hat dieses schreckliche Erlebnis zwar überlebt, GASAH hat ihn gerettet, behandelt und plaziert. Jedoch sind solche brutale Taten oft das Ergebnis von Ignoranz. Tiere sind fühlende Lebewesen. Dies müssen wir der Bevölkerung beibringen.
Frage: Ist euch nie danach, aufzugeben? Ihr seht regelmässig viel Leiden, so viele Tiere werden trächtig. Ist es nicht ein unaufhaltbarer Kreislauf?
Antwort: Ich würde lügen, würde ich behaupten, nie von dem, was ich sehe, enttäuscht zu sein. Doch ich habe gelernt, weniger leistungsorientiert zu denken. Mit jedem Weibchen, das wir sterilisieren, retten wir das Leben vieler weiterer ungewollten Welpen (dazu das Gedicht "Der Seestern", der unsere Philosophie zusammenfasst). Ich habe ausserdem gelernt, weder zu urteilen noch zu hassen. Keine Nation ist perfekt. Wie oft kaufen wir z.B. Kosmetika, ohne vorher zu fragen, ob sie an Tieren getestet wurde?
Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte sagen:
Sucht oder kauft ein Tier nicht zur eigenen Unterhaltung, wegen seines Aussehens usw. Wählt einen Hund einfach aus dem Grund, dass er ohne eure Hilfe keine Zukunft hat. Wählt weise, mit Hilfe von Experten, aber wählt, weil das Tier euch braucht, nicht umgekehrt. Das ist wahre Tierliebe, ohne Eigennutzen.
Zweitens, wenn ihr den armen Kreaturen wirklich helfen wollt, könnt ihr das.
Durch Spendensammeln und Donationen können wir viele weitere Hunde sterilisieren und ihnen helfen. Wir können nicht alle Tiere retten, doch wir können viele davon sterilisieren und dann wieder auf die Strasse setzen und Rat erteilen, womit weiteres Leiden verhindert wird. Dafür brauchen wir dringend viel mehr Geld. Wenn der Bürgermeister nächstes Jahr tatsächlich ein paar Tausend Euro für das Sterilisationsprogramm zur Verfügung stellen sollte, sowie mit den Einnahmen aus GASAH-Spenden, könnten wir der Überpopulation der Hunde einen Riegel schieben und dann würden wir wirklich Fortschritte sehen, denn die Insel Kos ist nicht so gross. Wir können es schaffen und wir werden nicht aufgeben. Der Kampf hat wahrhaftig begonnen. Zusammen mit einheimischen Tierärzten werden wir ihn gewinnen, auch wenn es grosse Geduld und Entschlossenheit verlangt. Ich kann all unseren GASAH-Unterstützern nicht genug danken.
Ohne euch sind wir hilflos und die Tiere hätten keine Hoffnung. Ich hoffe, auch im 2009 auf euch zählen zu können.